Medientipp

Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst

Der gebürtige Koreaner Haemin Sunim war selbst zeit seines Lebens grossen Veränderungen ausgesetzt und unterrichtet an einem amerikanischen College, bevor er Mönch wurde. Seine mitfühlenden und oft humorvollen Unterweisungen erinnern uns an das Glück, das auf uns wartet, wenn wir anfangen, langsamer zu werden.
In diesem wunderschön bebilderten Wegweiser zur Achtsamkeit nimmt uns der buddhistische Mönch Haemin Sunim mit auf die Reise zu mehr innerer Ruhe und Lebensfreude. In einfacher, klarer Sprache zeigt er, wie wir mit den Herausforderungen des modernen Alltags weiser umgehen können, sei es im Beruf oder in unserem eigenen Herzen.
Einige möchten dieses Buch vielleicht schnell durchlesen, so wie einen Roman Haemin empfiehlt jedoch, dass man sich Zeit nimmt über das Gelesene nachzudenken, bevor man zu einem neuen Kapitel übergeht.

Haemin Sunim: Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst, Scorpio, 266 Seiten, 2018

   

Die Wolkenfischerin

Charmant und gewitzt hat sich Claire Durant auf der Karriereleiter eines Berliner Gourmet-Magazins ganz nach oben geschummelt. Denn niemand ahnt, dass die Französin weder eine waschechte Pariserin ist noch Kunst studiert hat. Bis sie einen Hilferuf aus der Bretagne erhält, wo sie in Wahrheit aufgewachsen ist. Ihre Mutter muss ins Krankenhaus und kann Claires gehörlose Schwester nicht allein lassen. Claire reist in das Dorf am Meer und ahnt noch nicht, dass ihre Gefühlswelt gehörig in Schieflage geraten wird. Denn ihr Freund Nicolas aus gemeinsamen Kindertagen ist längst nicht mehr der schüchterne Junge, der er einmal war, und dann taucht aus heiterem Himmel auch noch ihr Chef auf. Claire muss improvisieren, um ihr Lügengespinst aufrechtzuhalten – und stiftet ein heilloses Durcheinander in dem sonst so beschaulichen Örtchen Moguériec.

Claudia Winter: Die Wolkenfischerin, Goldmann, 399 Seiten, 2018

   

Olga

Ein Dorf in Pommern am Ende des 19. Jahrhunderts. Olga ist Weise, Herbert der Sohn des Gutsherrn. Sie verlieben sich und bleiben gegen den Wiederstand seiner Eltern ein Paar, das immer wieder zueinander findet, auch als Olga Lehrerin wird und er zu Abenteuern nach Afrika, Amerika und Russland reist. Vom Kampf gegen die Herero zurückgekehrt, voller Träume von kolonialer Macht und Grösse, will er für Deutschland die Arktis erobern. Seine Expedition scheitert, und die Bemühungen zu seiner Rettung enden, als der erste Weltkrieg ausbricht. Olga sieht ihn nicht wieder und bleibt ihm doch auf ihre eigene Weise verbunden.
Erzählt wird die Geschichte einer starken Frau, die miterleben muss, wie nicht nur ihr Geliebter, sondern ein ganzes Volk den Bezug zur Realität verliert. Es wird die Frage ihres Lebens: Warum denken die Deutschen zu gross? Wieder und wieder?

Bernhard Schlink: Olga, Diogenes, 310 Seiten, 2018

   

Sonnenlüfte atmen

Literarische Wanderung in der Ostschweiz: Appenzell – St.Gallen – Alpstein

Mit Hermann Hesse auf den Gäbris, mit Peter Weber zu den Thurfällen, mit Robert Walser über die Wachtenegg, mit Regina Ullmann zu den Drei Weieren bei St.Gallen. Das sind einige der fünfzehn „Dichterpfade“, denen Christa und Emil Zopfi auf ihren Wanderungen nachspüren. Sie folgen auch Wegen, die an tragische Schicksale erinnern: z.B. an den Mord am Wetterwartehepaar Haas auf dem Säntisgipfel oder vom harten Los der Bauernfamilien und der Heimarbeiter der Stickerei Industrie.
Unter den Vorschlägen dieser verschiedenen Wanderungen befinden sich Spaziergänge, mehrstündige Wanderungen und anspruchsvolle Bergwanderungen. Diese folgen in der Regel markierten und gut beschilderten Wanderwegen.

Christa und Emil Zopfi: Sonnenlüfte atmen, Rotpunkt, 361 Seiten, 2018

   

Kleines Land

Es waren glückliche Tage, damals in Burundi. Der junge Gabriel traf sich mit seinen Freunden auf der Strasse, heimlich pflückten sie die Mangos vom Baum der Nachbarin und bauten Boote aus Bananenstauden. Gabriel erlebte seine Kindheit wie in einem paradiesischen Kokon. Bis seine Familie zerbrach und fast zur selben Zeit sein kleines Land in einem Bürgerkrieg unvorstellbare Grausamkeiten erdulden musste. Erst viele Jahre später, Gabriel ist mit seiner Schwester längst in ein fernes fremdes Frankreich geflohen, kehrt er in die Welt seiner Kindheit zurück. Und findet dort etwas wieder, das er für unwiederbringlich verloren gehalten hatte.
Die Hauptfigur dieses Romans ist nicht nur ein junger Afrikaner. Gabriel ist ein Kind der ganzen Welt, getragen vom Wind der heutigen Zeit. Hochaktuell.

Gaël Faye: Kleines Land, Piper, 221 Seiten, 2018

   

Im Schatten des Pfefferbaums

Als Kind hätte Cindy nie gedacht, dass sie einmal bei ihren Tanten in Palm Springs leben würde, oder dass sie einmal ein College in Santa Barbara besuchen würde, wo ihre Kommilitoninnen die verschiedensten Pläne verfolgten, wobei das wichtigste Ziel gewesen war sich einen Mann zu angeln.
Als die knapp 20-jährige Amerikanerin Cindy in den 1950er-Jahren mit ihrem frisch angetrauten Ehemann Murray in dessen Heimat Australien reist, glaubt sie noch an ein grosses Abenteuer. Doch die abgelegene Schaffarm mit ihrem düsteren Herrenhaus, tödliche Buschbrände und nicht zuletzt ihr herrischer, abweisender Schwiegervater lassen Cindy beinahe verzweifeln. Bis sie in sich selbst eine Stärke entdeckt, die genauso unbeugsam ist wie das wilde, ungezähmte Outback.

Di Morrissey: Im Schattendes Pfefferbaums, Knaur, 411 Seiten, 2018

   
 

Mudbound - Die Tränen des Mississippi

1946 im Mississippi-Delta. Laura McAllan hat ihre Heimat zurückgelassen, um ihrem Ehemann zuliebe als Farmer zu leben. Doch die neuen Lebensumstände sind alles andere als leicht. Denn auf der Baumwollfarm, die von den Einwohnern Mudbound, „Schlammflucht“ genannt wird, gibt es weder fliessend Wasser noch Strom. Sobald es regnet, verwüsten Schlammmassen das Land und schneiden sie von der Aussenwelt ab. Auch für die afroamerikanische Florence Jackson ist jeder Tag eine neue Herausforderung. Ihre Familie bestellt das Land der McAllans, und hat mit den Konventionen ihrer Zeit zu kämpfen. Und als ihr Sohn Ronsel zurückkehrt, der als Soldat ausgezogen war, um im Zweiten Weltkrieg zu kämpfen, spitzt sich die ohnehin angespannte Situation drastisch zu.
Die Lebensgeschichte ihrer Grossmutter inspirierte die Autorin zu diesem Buch.

Hillary Jordan: Die Tränen des Mississippi, Pendo, 375 Seiten, 2017

   
 

Feuertod am Sechseläuten

Ein Kriminalroman mit Todesangst in Zürich.
Ein Tierarzt liegt erstochen in seiner Wohnung, Teile seines Körpers sind verkohlt. Die Spuren führen die Rechtsmediziner Sokrates und die Kripo zu einem Mörder, der seine Opfer bei lebendigem Leib verbrennt. Als einer Journalistin Tonaufnahmen zugespielt werden, auf denen Menschen um ihr Leben flehen, wird klar: Der Alptraum hat erst begonnen.
Mit allen Mitteln der Krimikunst hat Wolfgang Wettstein einen schaurig, spannenden Roman mit charismatischen Figuren geschrieben.

Wolfgang Wettstein: Feuertod am Sechseläuten, Emons, 271 Seiten, 2017

   
Ein irischer Dorfpolizist

Sergeant PJ Collins ist nicht dick, er ist fett. PJ gerät schnell ins Schwitzen und schnell aus der Puste, er hat in dem wenig aufregenden Örtchen Duneen aber zum Glück nicht viel zu tun.
Das ändert sich, als bei Schachtarbeiten menschliche Überreste gefunden werden. Im Dorf ahnen alle gleich wessen Knochen das sein müssen: Tommy Burke, verschwunden vor zwanzig Jahren, genau an dem Tag, an dem sich seine Verlobte Brid Riordan und seine Geliebte Evelyn Ross auf dem Marktplatz prügeln.
PJ macht sich daran, die Frauen zu befragen – beide immer noch unglücklich und ungeliebt. Und begeht dabei einige schwer verzeihliche Fehler. Der aus Cork angereiste Kriminalkommissar hält den Dorfsheriff sowieso für eine Niete.
Doch er irrt sich.
Eine berührende Geschichte über Liebe, Geheimnis und Verlust, mit einem dunklen Hintergrund und einer grossen Liebe zu allen Figuren.

Graham Norton: Ein irischer Dorfpolizist, Kindler, 332 Seiten, 2017

   
 

Die Zeit der Rose

1862, Isle of Wight. Als die Eisenbahn Einzug auf der malerischen Insel hält, soll sich nicht nur das Leben der neunzehnjährigen Eveline Stanhope verändern. Das moderne Transportmittel verspricht Abenteuer und neue Möglichkeiten, bringt aber auch Konflikte mit sich. Denn die traditionellen Inselbewohner halten an alten Werten fest – so auch Evelines Familie. Ihre beiden Schwestern haben hervorragende Partien gemacht, und nun muss ein geeigneter Ehemann für die jüngste Tochter gefunden werden. Doch Eveline hat ihre eigenen Vorstellungen vom Leben, lernt lieber fotografieren und schwimmen, statt bei Dinner Partys die vornehme junge Dame zu spielen. Auch das Elend der Arbeiter, das sie durch den Bau der Schienen kennenlernt, lässt sie nicht los. Doch der Vorstand der Eisenbahn will nichts von ihren Beschwerden wissen, auch nicht der smarte und attraktive Chefingenieur Thomas Armitage.

Heather Cooper: Die Zeit der Rose, Goldmann, 381 Seiten, 2017

   
 

Was vom Tag übrig blieb

Stevens dient als Butler in Darlington Hall. Er sorgt für einen tadellosen Haushalt und ist die Verschwiegenheit in Person. Niemals würde er auch nur ein Wort über die merkwürdigen Vorgänge im Herrenhaus verlieren. Er stellt sein Leben voll und ganz in den Dienst seines Herren. Auch die vorsichtigen Annäherungsversuche von Miss Kenton, der Haushälterin, weist er zurück. Viele Jahre lang lebt Stevens ergeben in seiner Welt, bis ihn eines Tages die Vergangenheit einholt und er zum ersten Mal ausbricht aus seiner Welt.
Das kritische Porträt einer von Klasse und Hierarchie geprägten Gesellschaft sowie eine bittersüsse Liebesgeschichte, erzählt von einem Menschen, der seinen Stand nie hinterfragt, und nie auch nur geahnt hat, dass er liebt.

Kazuo Ishiguro: Was vom Tage übrig blieb, Heyne, 288 Seiten, 2017

   
 

Die Stunde unserer Mütter

Deutschland 1940. Maria und Vivien könnten unterschiedlicher nicht sein. Maria zweifelt mittlerweile an ihrer Ehe mit Werner, ihre britische Schwägerin Vivien schmerzt hingegen jede Minute der erzwungenen Trennung von ihrem Mann Philip, der sein Leben riskiert, indem er Juden bei sich versteckt. Während Maria bei jedem Feldpostbrief Werners mit sich ringt, ein paar liebevolle Worte zu schreiben, wartet Vivien nur darauf, zu Philip zurückkehren zu können.
Doch je schmerzhafter die täglichen Einschränkungen und je grösser die Gefahren von Denunziation und Anfeindung werden, desto enger rücken Maria und Vivien zusammen.
Emotional und mitreissend erzählt die Autorin eine dramatische Geschichte, die eng an ihre eigene Familiengeschichte angelehnt ist und Feldpostbriefe ihres Vaters enthält.

Katja Maybach: Die Stunde unserer Mütter, Knaur, 319 Seiten, 2017

   
 

Die Blütentöchter

Die Drillinge Eilika, Clementina und Imagina Laemmlin sind seit ihrer Geburt dem misstrauischen Gerede der Menschen ausgesetzt. Um nicht daran zu zerbrechen, schöpfen sie Kraft aus ihrer Blütenkunst. An diesem Junitag jedoch haben sie gleich zweifach Grund zur Freude. Es ist Jahrmarkt in Heilbronn, und die Bekanntmachung ihrer Verlobung mit drei Männern des Stadtadels steht kurz bevor.
Unerwartet erscheint ein Bussprediger auf dem Marktplatz, der in einer düsteren Prophezeiung vor einer drohenden Gefahr warnt. Gott hat ihm einen Namen genannt: Laemmlin! Obwohl niemand den Geistlichen kennt, glaubt man seinen Worten. Die Schuldigen für das zerstörerische Hochwasser, das Heilbronn wenig später heimsucht, sind schnell gefunden. Die Drillinge versuchen, ihr Leben zu retten, und werden in den Wirren des Unglücks getrennt. Festen Glaubens, die drei Schwestern seien tot, beginnt für jede der drei eine gefahrvolle Reise allein – bis sie die ersten Blüten finden. Auf Holz, auf Tuch, auf Pergament.

Joël Tan: Die Blütentöchter, Blanvalet, 478 Seiten, 2017

   

Karolinas Töchter

Die hochbetagte Lena Woodward will ein Versprechen erfüllen, das sie ihrer Freundin Karolina einst gab – mehr als ein halbes Jahrhundert zuvor. Mit Hilfe einer Anwältin und eines Privatermittlers begibt sie sich auf die Suche nach Karolinas Zwillingstöchtern, die seit dem Zweiten Weltkrieg in Polen verschollen sind. Doch es kommen Zweifel an Lenas Geschichte auf, und aus Sorge um seine Mutter versucht ihr Sohn Arthur, sie zu bremsen. Warum sucht sie die Mädchen erst jetzt? Und was ist damals im jüdischen Ghetto wirklich geschehen? Die Spur der Mädchen führt tief in die Geschichte des kriegszerrütteten Polen, und bald ist klar, dass das Schicksal der beiden ein Geheimnis birgt, das Lena seit Jahrzehnten verfolgt und das gelüftet werden muss, um die Kinder von damals zu finden.

Ronald H. Balson: Karolinas Töchter, Aufbau TB 438 Seiten, 2017

   
 
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