Medientipp

 

Abendrot

Das Leben ist rau in Holt, Colorado. Es gehorcht den Rhythmen der Natur und den ungeschriebenen Gesetzen einer Kleinstadt. Hier kann man sich nicht aus dem Weg gehen, hier gibt es aber auch eine Gemeinschaft, die einen nicht im Stich lässt, wenn man einsam oder verzweifelt ist. Und jederzeit ist die Begegnung möglich, die alles verändert.
Betty und Luther versuchen am Existenzminimum, ihre Familie zusammenzuhalten. DJ und Dena, elf Jahre alt, schaffen sich in einem verlassenen Haus ein Ersatzzuhause. Und die McPheron-Brüder, zwei Viehzüchter samt ihrer Ziehtochter Victoria treten wieder auf. Ein paar einsame Seelen, die trotz aller Unterschiede zueinanderfinden. Das ist der Zauber von Holt, Colorado.
Kent Harufs Erzählkunst und seine Empathie für seine Figuren machen die Lektüre zu einem mitreissenden und beglückenden Erlebnis.

Kent Haruf: Abendrot, Diogenes, 413 Seiten, 2019

   
 

Blutlauenen

Obwohl sie nicht nur angenehme Erinnerungen an die gemeinsame Zeit hat, verbringt Journalistin Cora Johannis mit ihrer Jugendclique ein Wochenende in einem abgelegenen Jagdhaus in den Alpen, das mit einem Albtraum endet. Beim ersten Abendessen bricht ein Gast tot zusammen, da waren es nur noch neun. Kurz darauf geschehen weitere mysteriöse Todesfälle. Die Anwesenden werden zur Zielscheibe eines kaltblütigen Mörders, und weit und breit ist niemand, der ihnen helfen kann. Cora fasst einen lebensgefährlichen Plan. Und sie weiss nicht ob sie ihre Kinder je wieder sehen wird, eigentlich hat sie ihnen doch noch so viel nicht gesagt, vor allem ihrer Tochter.
Ein tödliches Kammerspiel in bester Agatha-Christie-Manier, geschrieben von einem Schweizer Autor.

Christof Gasser: Blutlauenen, Emons, 316 Seiten, 2019

   
 

Frau im Dunkeln

Leda ist fast fünfzig, geschieden, sie unterrichtet Englisch an der Universität in Florenz. Den heissen Sommer verbringt sie in einem süditalienischen Küstenort. Bücher, Sonne, das Meer, was könnte friedlicher sein? Am Strand macht sich neben ihr jedoch eine übermütig lärmende neapolitanische Grossfamilie breit, darunter eine noch junge Mutter und deren kleine Tochter. Leda beobachtet die beiden über Tage, zunächst fasziniert, voller Sympathie und Wohlwollen. Allmählich aber schlägt ihre Stimmung um, irgendwann folgt sie einem Impuls, sie tut dem kleinen Mädchen und der Familie etwas Verstörendes an. Und wird plötzlich selber heimgesucht, von lange verdrängten Erinnerungen an die gravierenden Entscheidungen, die sie zu treffen hatte, ganz zum Leidwesen ihrer Töchter.
Ein unvergesslicher und hochspannender Roman.

Elena Ferrante: Frau im Dunkeln, Suhrkamp, 187 Seiten, 2019

   

Die Liebe im Ernstfall

Paula, Judith, Brida, Malika und Jorinde sind aufgewachsen in den Grenzen der DDR. Nun, nach der Wende, wollen sie alles, bekommen vieles, doch immer sticht der Stachel ihrer Rolle als Frau.
Paula lernt an einem heissen Sommerabend ihren zukünftigen Mann kennen. Sie bekommen ein Kind, doch das Kind stirbt, und die uferlose Trauer reisst alles mit sich. Judith eine arrivierte Ärztin, eine kultivierte Frau, sucht über den Umweg durchs Bett den Mann zum Leben. Dann wird sie schwanger und treibt das Kind heimlich ab. Brida ist Schriftstellerin und reibt sich auf zwischen der Liebe zu ihren Kindern und der inneren Notwendigkeit zu schreiben. Malika war als Teenager ein vielversprechendes Geigentalent, doch die Hoffnung auf eine grosse Karriere verlöscht ebenso wie ihre Hoffnung auf Familie und Kinder, als ihr Mann sie verlässt. Doch dann tritt Jorinde auf. Malikas jüngere Schwester, erfolgreich und interessant, die alles hat, was Malika nicht hat.

Daniela Krien: Die Liebe im Ernstfall, Diogenes, 287 Seiten, 2019

   

Eisige Tage

Winter in Leipzig, die Stadt erstarrt in Eiseskälte. In einem Auto am Elster-Saale-Kanal wird die steifgefrorene Leiche eines Anwalts gefunden. Was für die smarte Kommissarin Hanna Seiler und ihren starrköpfigen Kollegen Milo Novic zunächst nach einem Routine-Mordfall aussieht, entpuppt sich rasch als ein Dickicht krimineller Verstrickungen. Im Besitz des Toten finden sie skandalträchtiges Material, darunter das Foto eines minderjährigen Mädchens, das seit einer Woche vermisst wird. Während die Stadt im Schnee versinkt, müssen die Ermittler eine düstere Welt betreten, in der schon die Jüngsten gefährliche Spiele treiben.
Alex Pohl tritt nun zum ersten Mal unter seinem Klarnamen als Autor in Erscheinung: „Eisige Tage“ ist der Auftakt einer neuen Krimireihe rund um den Tatort Leipzig, seine Heimatstadt.

Alex Pohl: Eisige Tage, Peguin, 425 Seiten, 2019

   

Glück ist deine Entscheidung

Mein Jahr bei den Ältesten und was ich von ihnen gelernt habe:
Auf den letzten Stationen im Leben sieht man vieles klarer, deshalb sind für die Journalistin Silvia Aeschbach die Ältesten unter uns spannende Gesprächspartner auf der Suche nach Antworten auf die Frage: Was ist Glück? In inspirierenden Portraits lässt sie die Menschen in hohem Alter zu Wort kommen, die davon erzählen, wie man es trotz Krankheit und erschwerter Bedingungen jeden Tag aufs Neue selbst in der Hand hat, sich für ein glückliches Leben zu entscheiden. Ihre Lebenslust und Neugier zeigen, dass Glück kein Geschenk des Schicksals ist, sondern eine Entscheidung, die man selbst trifft. Die Autorin traf dazu elf Frauen und Männer, ab 80 Jahren, ohne die sie dieses Buch nicht hätte schreiben können und es entstanden dabei neue und bereichernde Freundschaften. Ein wahrer Genuss um es auch zu lesen.

Silvia Aeschbach. Glück ist deine Entscheidung, mvg-Verlag, 174 Seiten, 2019

   

Grenzgänger

Die Schönings leben in einem kleinen Dorf an der deutsch-belgischen Grenze. Als Hennis Mutter plötzlich verstirbt und die Siebzehnjährige sich in der Verantwortung für ihre Geschwister sieht, beginnt sie, sich mit Kaffeeschmuggel etwas dazuzuverdienen. Sie kennt die Routen über das Hohe Venn, ein tückisches Moorgebiet. So kann sie die Schmuggler, hauptsächlich Kinder, in der Nacht durch das gefährliche Moor führen.
Ab 1950 übernehmen immer mehr organisierte Banden den Kaffeschmuggel, und Zöllner beginnen, auf Menschen zu schiessen. Eines Nachts geschieht dann das Unfassbare: Hennis Schwester wird erschossen.
Henni steckt man daraufhin in eine Besserungsanstalt. Die jüngeren Geschwister kommen in ein kirchliches Heim, wo Matthias an Lungenentzündung stirbt. Vom tragischen Schicksal ihrer Geschwister und den wahren Todesumständen ihres kleinen Bruders wird Henni erst viele Jahre später erfahren.
Ein Stück Zeitgeschichte verpackt in eine berührende Familiengeschichte.

Mechtild Borrmann: Grenzgänger, Droemer, 285 Seiten, 2019

   

Jahre aus Seide

Ruth wächst glücklich und behütet auf, sie besucht das Lyzeum, verbringt die Sommer an der See und taucht in der benachbarten Villa des Seidenfabrikanten Merländer in die Welt der Stoffe ein. Mit Begeisterung lernt sie nähen und fertigt aus sorgsam gehüteten Stoffresten kunstvolle Verzierungen und kleine Taschen. Und sie verliebt sich. Kurt ist einige Jahre älter und, genau wie sie, jüdischen Glaubens. Dann kommen die Nazis an die Macht, und all ihre Träume für die Zukunft zerplatzen. Immer häufiger sind sie und ihre Familie Anfeindungen ausgesetzt, wissen nicht mehr, wem sie noch trauen können und stehen schliesslich vor der Frage, ob sie ihre geliebte Heimat, Freunde und Verwandte verlassen müssen. Und dann kommt der schicksalhafte Tag, an dem sich das Leben von Ruth mit einem Mal ändert.
Eine dramatische Familiengeschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht und einen berührt. Ruth Meyer hat sich ihr ganzes Leben dafür eingesetzt, dass der Horror an den Juden nicht vergessen wird.

Ulrike Renk: Jahre aus Seide, atb, 563 Seiten, 2019

   

Vanitas - Schwarz wie Erde

Manchmal ist ein Friedhof der sicherste Ort für die Lebenden. Auf dem Wiener Zentralfriedhof jedenfalls ist die Blumenhändlerin Carolin ein so gewohnter Anblick, dass sie beinahe unsichtbar ist. Ebenso wie die Botschaften, die sie mit ihrem Auftraggebern austauscht, raffiniert verschlüsselt in die Sprache der Blumen – denn ihre grösste Angst ist es, gefunden zu werden.
Noch vor einem Jahr war Carolins Name ein anderer; damals war sie als Polizeispitzel einer der brutalsten Banden des organisierten Verbrechens auf der Spur. Kaum jemand weiss, dass sie ihren letzten Einsatz überlebt hat. Doch dann erhält sie einen Blumengruss, der sie zu einem neuen Fall nach München ruft – und der sie fürchten lässt, das sie ihren eigenen Tod bald ein zweites Mal erleben könnte.
Vanitas – Schwarz wie Erde ist der Auftakt zur brandneuen Reihe psychologischer Thriller der Autorin Ursula Poznanski.

Ursula Poznanski: Vanitas – Schwarz wie Erde, Knaur, 377 Seiten, 2019

   
Das geheime Glück

Emily und Robbie stehen kurz vor der goldenen Hochzeit. Sie selbst sind in die Jahre gekommen, ihre Liebe aber ist noch so intensiv wie am ersten Tag. Mit ihrem Sohn und ihren Enkelkindern blicken sie auf ein erfülltes Leben zurück. Was niemand weiss: Emily und Robby hüten ein Geheimnis, das sie seit ihrer schicksalhaften Begegnung immer enger aneinander gebunden und ihnen schwere Entscheidungen abverlangt hat. Ein Geheimnis, das sie um jeden Preis bewahren müssen. Auch wenn sie ahnen, dass irgendwann der Moment kommen wird, an dem sie die Wahrheit nicht mehr werden verbergen können.
Ein glänzend geschriebener Roman über zwei Leben und eine grosse Liebe. Vor allem aber ist es sehr spannend, da die Autorin die Geschichte in diesem Buch rückwärts geschrieben hat und man das Geheimnis erst ganz am Schluss erfährt.

Julie Cohen: Das geheime Glück, Diana, 432 Seiten, 2019
   
Novembereis

In den 1970er-Jahren bringt der Bau der Eisenbahn Arbeit und Verdienst ins Toggenburg. Das Leben der einfachen Menschen im Tal ist hart, das Denken eng und die soziale Kontrolle streng. Johann ist ein Vagant, der da und dort sein Unwesen treibt. Das Buch erzählt seine Geschichte. Eine Geschichte, die nicht zuletzt wegen Eigenmächtigkeit und Nachlässigkeit der Obrigkeit eine unheilvolle Dynamik erfährt. Johann missbraucht und ermordet ein Mädchen. Die schreckliche Tat erhitzt die Gemüter im Toggenburg und in der ganzen Schweiz und beflügelt die Argumentation jener, die die Todesstrafe im Kanton St.Gallen wieder einführen möchten, was ihnen 1879 in der Volksabstimmung auch gelingt.

Monika Rösinger: Novembereis, Orte Verlag, 196 Seiten, 2019
   

Traum des Lebens

Es ist das Jahr 1968: Im Hafen von Leningrad müssen der junge Alexander Karpenko und seine Mutter auf der Flucht vor dem KGB entscheiden, auf welches Schiff sie sich als blinde Passagiere schleichen. Eines fährt nach Grossbritannien, das andere in die USA. Der Wurf einer Münze soll das Schicksal von Alexander und Elena besiegeln. Unweigerlich fragte sich Elena, ob sie es für den Rest ihres Lebens bedauern würden, nicht in die andere Kiste gestiegen zu sein.
Über eine Zeitspanne von dreissig Jahren und auf zwei Kontinenten entfaltet sich in Jeffrey Archers neuem Roman eine Geschichte von einmaliger Spannung und Dramatik – eine Geschichte, die man nicht wieder vergisst.

Jeffrey Archer: Traum des Lebens, Heyne, 703 Seiten, 2019

   

Das Versprechen der Freiheit

Es ist Sommer 1939, die 25-jährige Lily Shepard lässt England und ihre Familie hinter sich, um ein neues Leben in Australien zu beginnen. wo sie eine Anstellung in einem der herrschaftlichen Häuser Sydneys erwartet. Gut ausgebildete Dienstmädchen sind rar, weswegen die britische Regierung ihre Reisekosten in der Touristenklasse übernimmt. Schon während der Überfahrt auf dem Ozeandampfer Orontes eröffnet sich für Lily eine ganz neue Welt. Nie hätte sie sich träumen lassen, Neapel, Kairo, Ceylon und all die anderen Orte, die unterwegs angefahren werden, jemals mit eigenen Augen zu sehen und Freundschaften mit Menschen zu schliessen, die sie im normalen Leben nie beachtet hätten. Wie die glamouröse Eliza Campbell, die mit ihrem Ehemann in der ersten Klasse reist, und der gutaussehende Edward Fletcher, der Lily Avancen zu machen scheint.
Doch bald merkt Lily, dass sie nicht die Einzige auf dem Schiff ist, die dunkle Geheimnisse hat.

Rachel Rhys. Das Versprechen der Freiheit, Blanvalet, 475 Seiten, 2019

   

Die verlorene Schwester

Bern, 1968: Nach dem Tod ihres Vaters werden die Schwestern Marie und Lena ihrer erkrankten Mutter von der Schweizer Fürsorge weggenommen und im Kinderheim untergebracht. Kurz darauf werden die Kinder von der Behörde, wie damals üblich, getrennt und an Pflegefamilien „verdingt“. Während es die Ältere zunächst gut getroffen zu haben scheint, landet die Jüngere an einem Ort des Schreckens. Werden die Mädchen einander jemals wiedersehen?
Zürich, 2008: Die ehrgeizige Investmentbankerin Anna gerät in eine persönliche Krise, als sie zufällig herausfindet, dass sie adoptiert wurde. Ihre Mutter kann ihre Frage zu ihrer Herkunft nicht beantworten, so dass sie sich mit Hilfe der Journalistin Claudia auf die Suche ihrer leiblichen Eltern begibt.
Nach den historischen Fällen der Verdingkinder in der Schweiz erzählt.

Linda Winterberg: Die verlorene Schwester, atb, 447 Seiten, 2019

   

Zwischen uns ein ganzes Leben

Paris 1940. Für die jüdische Studentin Judith wird es unter der deutschen Besatzung immer gefährlicher. Zusammen mit ihrer grossen Liebe Christian, Sohn eines Bankiers, plant sie heimlich die Flucht. Doch plötzlich ist sie spurlos verschwunden.
Mehr als fünfzig Jahre später in Washington: Auf Jacobina lastet ein Versprechen, das sie ihrem Vater gegeben hat, aber ihr Leben lang nicht eingelöst hat. Sie soll ihre unbekannte Halbschwester Judith finden. Jetzt bleibt ihr nicht mehr viel Zeit. Da trifft sie auf die junge Französin Béatrice. Die beiden Frauen freunden sich an. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche, die sie weiter führt, als sie je erwartet hätten.
Als Melanie Levensohn bei ihrer Heirat den Familiennamen ihres Mannes annahm, wurde sie zur Namensvetterin seiner französischen Grosscousine, die in Auschwitz ermordet wurde. Diese tragische Lebensgeschichte inspirierte sie zu diesem Roman.

Melanie Levensohn: Zwischen uns ein ganzes Leben, Fischer, 408 Seiten, 2019

   
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